Weißer Geschichte und Geschichten

Endlich ist es da - das neue „Weißer Geschichtsbuch“ - wird so mancher Weißer Bürger sagen, zumindest die, die bereits die beiden ersten Bände besitzen. Aber mit diesem neuen Buch werden nicht nur intellektuell begabte Menschen angesprochen – nein – hier findet jeder vielseitig interessierte Weißer Bürger/-in kleine Geschichten über das Leben in Weiß in der Vergangenheit.

 

Dieses dritte Buch über die Weißer Geschichte wurde ebenfalls akribisch von Peter Pies geschrieben. Diese Arbeit entstand über eine ausgeprägte „Teamarbeit“. Mehr als 30 Weißer Einwohner halfen schriftlich oder mündlich mit ihren umfangreichen Erinnerungen das frühere Geschehen wachzuhalten. Zusätzlich standen auch weitere Zeitzeugen mit kleineren Hinweisen zur Verfügung. Überraschend viele originale schriftliche Quellen aus der Zeit ab 1850 halfen ebenfalls.

Ein Teil der Macher von links nach rechts: Peter Pies, Rosmarie Pies, Hubert Scheven, Wilhelm Kuhn, Franz Krebs, Horst Noll, Friedhelm Brodesser. Foto: Ralf Perey

Das Buch: „Die Gemeinde Weiß bei Köln, Band 3“ spiegelt das Leben in einem rheinischen Dorfe in der Zeit von 1850 bis 1948 wider. Eine Zeit, die die heutige Generation nicht versteht und nicht kennt. Das Buch könnte man auch als Grundlage für den Geschichtsunterricht oder Heimatkunde (ja, das gab es mal) in Schulen nutzen. Der Vergleich dieser vergangenen Zeit mit der heutigen wäre sicherlich sehr lehrreich. Denn das war noch eine Zeit z.T. noch ohne Telefon, Radio, Fernsehen und gänzlich ohne Internet, Smartphone, CD, DVD u.v.a.m. – heute unvorstellbar.

 

In dem Buch wird die wechselvolle Zeit beschrieben. Weißer Bürger/-innen und das Leben im „Auf und Ab“ der Zeit wird bildhaft beschrieben. Das neben Streit auch Freundschaft, neben Hass auch Liebe und neben Trauer auch Feierfreude einhergehen, ist auch heute noch so – das gehört zum Leben. Probleme und Unstimmigkeiten sind dafür da, gelöst zu werden – die Weißer Einwohner konnten sich immer „durchschlagen“. Gelegenheiten sich zu vergnügen, boten sich bei den vielen Festen, wie der Kirmes und den Tanzveranstaltungen, die auch in den anderen Dörfern stattfanden. Alkohol und Tanz, zwei Dinge, die oft in Streit ausarteten – oft mit „durchschlagendem“ Ergebnis, was Messer, Schlagringe oder andere Kampfhilfen belegten. „Das nimmt in Weiß jetzt überhand. Das Dorf könnte ja ein Gericht für sich beschäftigen“ – so wird ein Richter einer Gerichtsverhandlung zitiert.


Neben diesen unschönen gab es weitaus mehr schöne Dinge. Das Wort „Unschön“ ist nur existent, weil „Schön“ überwiegt und damit abgegrenzt wird. Denn, dass diese Zeit – Ende des 19. Jahrhunderts - auch eine fröhliche Zeit war, wird schon durch die Anzahl der Gastwirtschaften dokumentiert. In geringen Abständen boten 7 Gastwirtschaften – 3 davon hatten auch Tanzsäle – ihre Dienste an. Vereine wurden gegründet: Männergesangsverein, Sportverein, Kegelverein u.a.m.. Geselligkeit wurde großgeschrieben und viele Weißer waren in mehreren Vereinen Mitglied. Eine starke Gemeinschaft im Dorf, die auch die schlechten Zeiten überbrücken half.

Denn in dieser Zeit wurden zwei Kriege angezettelt.


Der Erste Weltkrieg, der die Deutschen in eine tiefe Misere führte. Reparationszahlungen, Weltwirtschaftskrise und große Arbeitslosigkeit trieb das Volk in die Arme der Nationalsozialisten. Die anfangs wirtschaftlichen Erfolge wurden durch das Verschwinden der „Eckensteher“, die es überall gab, von den Straßen, sichtbar, denn sie hatten Arbeit gefunden. Trotz dieser Erfolge erhielt die NSDAP bei den letzten freien Wahlen 1933 nur 14%. Weiß war und blieb eine Hochburg für die kommunistischen und sozialistischen Ideen und war weniger für die nationalsozialistischen Ideen anfällig. Aber die neuen Herren bestimmten bald auch sukzessive das Leben in Weiß. Es hagelte Verbote – alles wies auf den kommenden Krieg hin. Der Pfarrer schrieb Tag für Tag in seine Chronik die Terrorangriffe und die Stimmung im Ort auf – und auch seine persönliche Einschätzung dokumentierte er. Diese Berichte sind von ganz besonderem Wert.


Der Zweite Weltkrieg: Weißer Männer fielen im Feld und die Front rückt in der Heimat immer näher. Ein amerikanischer Gefechtsplan zeigt in den letzten Kriegstagen den Vormarsch auf Weiß. Gott sei Dank hielten sich während des ganzen Krieges die Zerstörungen in Weiß in Grenzen – dies im deutlichen Gegensatz zu Köln und auch Rodenkirchen. „Nur“ 10 Bombenopfer, aber auch Jugendliche, die mit Blindgängern hantierten oder spielten, starben.
Dann kam der Einmarsch der Amerikaner in Weiß. Sie waren Befreier und Siegesmacht zugleich – die neuen Herren benahmen sich auch danach. Bei manchen Soldaten spürte man aber auch Menschlichkeit – sie machten Spaß mit den Kindern und verteilten hier und da ihre eigene Schokolade.


Mit dem Kriegsende brach die Versorgung zusammen. Es kam die große Stunde der Frauen, die ständig hart um das Überleben ihrer Familien kämpften und organisierten. Weiß war immer noch stark bäuerlich geprägt. Es gab viele Möglichkeiten Nahrung zu besorgen, sowohl aus dem eigenen kleinen Garten oder auch mit einer „Nachlese“ auf den abgeernteten Feldern.

Es gibt noch viele Schilderungen, die in diesem Buch Niederschlag gefunden haben: Insbesondere über die verfolgten Weißer Kommunisten, Juden und auch eine Behinderte. Bedrückende Geschichten, die aber in der Geschichtsstunde 1850 – 1948 nicht fehlen dürfen. Sie dürfen nicht nur hier nicht fehlen, sondern auch nicht vergessen werden.

In dieser Weißer Zeitreise fehlen natürlich auch nicht Berichte wie:
„Die Geschäftswelt in den 30er Jahren“
„1926: Weiß beim Hochwasser eine Insel“
„Das berühmte Öl-Schiff und die Rievkooche mitten im Krieg.“

In diesem neuen und interessanten Buch sind viele Anekdoten und liebenswürdige Bilder enthalten, die trotz der aufgezeigten schweren Zeiten zum Schmunzeln anregen. Die Schilderung der Schrecken vergangener Zeiten kann auch als Mahnung verstanden sein, Wiederholungen zu vermeiden.
Ein Tipp von mir persönlich: Weihnachten steht vor der Türe – das wäre doch was!


Erhältlich ist dieses Buch im örtlichen Buchhandel und bei Friedhelm Brodesser, Auf der Ruhr 84. Es kostet 20 Euro.

 

Und vielleicht finden Geschichten aus dem Buch auch Niederschlag im Geschichtsunterricht im Fach „Heimatkunde“ der Albert-Schweitzer-Grundschule.

 

Helmut Schuhbäck
unter Zuhilfenahme
von Texten von Peter Pies

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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