Geschichte

Lage
„Weiß liegt südöstlich von Rodenkirchen am Rhein, der zwischen den beiden Orten eine ausgeprägte Biegung, den Weißer Rheinbogen, beschreibt. Wie die Nachbarorte Rodenkirchen und Sürth liegt auch Weiß auf der niedrigsten Terasse des Rheintals, der 45-50m über dem Meeresspiegel befindlichen Niederterasse. Diese hat lehmig-sandigen Boden, der von mittlerer bis guter Qualität für die Landwirtschaft ist".(S.407)

 

Ursprung und Namensgebung von Weiß
„Verlässlich erwähnt wird Weiß erstmals im Jahre 1130 im Zusammenhang mit der Entscheidung des Erzbischofs Friedrich I. von Köln (1100-1131), dass der Vogt Hermann von Hengebach von dem Land der Kölner Benediktinerabtei Groß St. Martin in Weiß keinen Jahreszins zu beanspruchen habe.1238 vermachte Bertolfus, Kanoniker von St. Georg in Köln, seinem Stift eine bestimmte Menge Wein zu <Wise> bei <Soride>, d.h. zu Weiß bei Sürth. Die Schreibung des Ortsnamens wechselte häufig. Man findet <Wisse> / <Uisse>, <Wishe>, <Wisa>, <Wise> und <Wijss>; die Karte von Abraham Hogenberg (um 1610) hat <Wyß> (...). Der Name ist althochdeutschen Ursprungs und bedeutet <Wiese>". (S. 407)

 

Weiß und seine Geschichte
„Die enge Verbindung zu den am Rhein gelegenen Nachbarorten zeigt sich u.a. in den Zerstörungen durch kriegerische Auseinandersetzungen. So wurde Weiß ebenso wie Sürth und Rodenkirchen im Verlauf des Krieges zwischen dem deutschen König Albrecht und dem Kölner Erzbischof Wiebold im Jahre 1302 verwüstet.
Eine problematische Gemeinsamkeit zwischen Rodenkirchen und Weiß bestand in den spätestens seit 1100 für die Orte überlieferten Zerstörungen durch das Hochwasser des Rheins. Zu großen Überschwemmungen kam es insbesondere in den Jahren 1496, 1497, 1776 und 1784. Durch Anpflanzung von Weiden auf den durch die Überschwemungen versandeten Böden versuchte man, besonders die oft in Ufernähe liegenden Weingärten der verschiedenen geistlichen Grundeigentümer zu schützen. ( ... )Der Weinbau, der im gesamten Rodenkirchener und Weißer Raum bis Anfang des 19. Jahrhunderts betrieben wurde, fand beim Rat der Stadt Köln jedoch nicht immer Schutz und Befürwortung. Im 15. Jahrhundert befürchtete man dort eine Verdrängung des Rheins aus seinem Bett infolge der Weidenanpflanzungen. Eine Chronik, die der Weißer Gemeindevorsteher Paulus Krauß seit 1811 führte, überliefert speziell für Weiß die Auswirkungen der Überschwemmungen von 1819 und 1820. Danach wurden in jenen Jahren Garten und Stallungen des Pflasterhofes sowie benachbarte Häuser z.T. bis über die Dächer überspült. (...)
Auch die Eigentumsverhältnisse waren in Weiß eng mit den Nachbarorten verflochten. Es gab mehrere <grundherrliche Anrainer>, die in Weiß mit ihren Grundherrschaften aneinanderstießen, nämlich die Grundherrschaften von St. Georg in Sürth und von Groß St. Martin in Rodenkirchen, umrahmt von grundherrlichen Besitzungen des Deutschen Ordens und des Kölner Erzbischofs, der den Pflasterhof besaß und als Lehen an Ritter ausgab. Andere Weißer Ländereien waren Eigentum der Kölner Antoniter und des Kölner Stifts St. Severin.
Die Landesherrschaft übte in Sürth - anders als im benachbarten Rodenkirchen, das zum Herzogtum Berg gehörte - bis zur französischen Besetzung der Rheinlande im Jahre 1794 der Kölner Erzbischof und Kurfürst aus. Wie Sürth gehörte Weiß zum kurkölnischen Amt Brühl". (S. 410)
„Die kurkölnische Zeit endete für Weiß 1794 mit der Besetzung des linksrheinischen Gebietes durch die Franzosen. Seit 1802 gehörte Weiß zur Mairie, Bürgermeisterei , Rondorf. Rondorf blieb auch in preußischer Zeit, d.h. seit 1815, bis 1893 Hauptort der Landgemeinde, die den Namen des Hauptortes noch bis 1961 trug. Danach hieß sie Gemeinde Rodenkirchen. Als deren Bestanteil wurde Weiß 1975 nach Köln eingemeindet". (S.411)
„Die Fahrgerechtigkeit auf dem Rhein in Sürth und Weiß besaß das Kölner Stift St. Georg, d.h., dass ein Fährmann beim Dechanten und Stiftskapitel die Erlaubnis zur Ausübung seines Gewerbes einholen und bezahlen musste. Die Fischerei und den Zehnten dagegen besaß das Kölner Stift St. Severin. Das Fischereirecht des Stiftes St. Severin erstreckte sich von Godorf bis zur Höhe von Ensen.
Der bedeutendste Hof am Ort, der <Plasserhof> - der Name wurde später in Pflasterhof abgewandelt - , ein ritterlicher Lehnsitz im Obereigentum des Erzbischofs von Köln, wechselte mehrfach die Herren. (...) Später zunächst im Besitz der Stadt Köln, gelangte der Hof dann an die Familie Hilger". (S. 407 und 410)

 

Weiß und seine Kirchen
„Pfarrlich gehörte Weiß mit seiner kleinen Kapelle spätestens im letzten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts zu Sürth.(...) Der erste Vorgängerbau der nach schweren Kriegszerstörungen 1964/65 wiedererrichteten kleinen Kirche entstand im 15. Jahrhundert. In einer Urkunde von 1433 genehmigt und bestätigt Erzbischof Dietrich von Moers die folgende Initiative der Weißer :"Die Bewohner von Weiß errichten eine Kapelle in ihrem von der Pfarrkirche entfernten Dorfe, mit der Erklärung, dass diese weder dem Pfarrer ihres Kirchspiels noch dem Severinsstifte als Zehntherren Abbruch tun oder eine künftige Baupflicht auflegen soll, und berenten dieselbe mit verschiedenen Grundstücken und fünf Goldflorin jährlich". - (...) Die pfarrliche Unabhängigkeit von Sürth erreichte Weiß erst nach dem Ersten Weltkrieg, als 1920 zunächst das selbständige Rektorat und 1923 die Pfarre St. Georg in Weiß geschaffen wurde". ( S.410 f.)

 

Weiß und seine Schule
„Das Schulwesen in Weiß ist in seiner Entwicklung ebenfalls eng mit dem Nachbarort Sürth verbunden. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts unterrichtete der Sürther Küster in seinem Haus die Kinder aus Sürth und Weiß. ( ... ). 1866 - 1867 erstellte der Deutzer Kommunalbaumeister Müller für Weiß ein erstes Schulgebäude. 1904 wurde die Schule in Weiß von vorher zwei auf vier Klassen aufgestockt".(S.411)
Die Albert-Schweitzer-Grundschule in der Heinrichstraße bestimmt heute das schulische Leben in Weiß; weiterführende Schulen wie Gymnasium, Gesamtschule und Realschule befinden sich in den Nachbargemeinden Rodenkirchen, Michaelshoven und Godorf.

 

Weiß und seine Siedlungsgeschichte
Nach der kurkölnischen Landesdeskription von 1669 befanden sich zu jenem Zeitpunkt in Weiß nur 40 Häuser mit Garten- und Ackerland sowie Weingärten. Ende des 18. Jahrhunderts hatten Sürth und Weiß zusammen nur 554 Einwohner; 1815 hatte Weiß 422, 1843 574 Einwohner. Erst in den 1880er Jahren wuchs die Einwohnerzahl im Zusammenhang mit der einsetzenden Industrialisierung auf über 800 an. Die Bevölkerung fand Arbeitsplätze außer in der Landwirtschaft und Fischerei zunehmend auch in den Fabriken von Sürth (Eisengießerei und Kesselschmiede H.Hammerschmidt), Bayenthal und Köln. In der 1920er Jahren wuchs die Einwohnerzahl auf über 1000, in den 1950er Jahren auf über 2000.
1985 war Weiß mit 5324 Einwohnern der bevölkerungsmäßig drittkleinste Stadtteil des Stadtbezirks Rodenkirchen nach Immendorf und Godorf.
Die Siedlungsentwicklung in Weiß nahm ihren Ausgang an der Weißer Hauptstraße und im Bereich der großen Hofanlage des Pflasterhofes. (...)
Nach 1945 wuchs Weiß über sein dörfliches Zentrum hinaus durch zunehmende Neubauerrichtung immer stärker zusammen mit dem sich ebenfalls erweiternden Rodenkirchen. Besonders aber mit dem Nachbarort Sürth wuchs Weiß zusammen, so dass die beiden Kölner Stadtteile heute eine direkt ineinander übergehende städtebauliche Einheit bilden. Im innersten Weißer Dorf- und Siedlungskern setzte der Architekt Josef Bernard 1954 mit dem Bau der katholischen Pfarrkirche St. Georg einen Glanzpunkt an städtebaulicher Einfügung in das Ortsbild. Die Kirche bildet eine in gleichem Maße zur Rheinseite und deren Panorama wie auch zur Landseite mit dem Ensemble des Kirchplatzes und der von dort aus sichtbaren alten Kapelle gewandte Dominante. ( ... ). So fungiert der Bau Bernards sowohl als zum Dorf und späteren Stadtteil hingewandte Pfarrkirche als auch als eine in der Tradition der Schifferkapelle stehende Einheit zum Rhein hin". (S.412)

 

Der historische Ortskern von Weiß
„Im historischen Ortskern der drei Dorfstraßen (Weißer Hauptstraße, Auf der Ruhr und Alte Rheinstraße) in Weiß ist die überwiegend eineinhalb- bis zweigeschossige Bebauung dörflichen Charakters in Backstein, seltener in Fachwerk, in mehr oder weniger veränderter Form in ihren Proportionen ohne größere Maßstabsbrüche erhalten. Einen Verlust stellt der 1980 wegen Baufälligkeit erfolgte Abbruch des aus dem 18. Jahrhundert stammenden verputzten Fachwerk-Herrenhauses des Pflasterhofes dar. Auf den Grundmauern dieses Herrenhauses mit unter Putz liegendem Fachwerk und Walmdach wurde ein Neubau errichtet. ( ... ). Die Wirtschaftsgebäude stammen z.T. wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert. So sind die ältesten heute noch erhaltenen Gebäude, abgesehen von der alten Georgskapelle, einige Fachwerkhäuser mit offen zu Tage liegendem bzw. unter Putz liegendem Fachwerk an Weißer Hauptstraße und (wahrscheinlich) Auf der Ruhr. Im Südöstlichen, d.h. zum Rhein hingewandten Bereich der Weißer Hauptstraße stehen diese giebelständigen ehemaligen Fischerhäuser in gestaffelter Stellung zur Straße und ermöglichen so durch ein traufseitig gelegenes kleines Fenster den Blick auf den Strom.
Zwei Wegekreuze, ein Heiligenhäuschen und eine Heiligenfigur erinnern noch heute an volkstümliches religiöses Leben im Ort". (S.412 f.)

 

Die Verkehrslage in Weiß
„Das heutige Weißer Stadtteilgebiet ist durch eine Reihe von kleineren Straßen sowie eine Gemeindeverbindungsstraße, die Weißer Hauptstraße und abknickende Heinrichstraße, erschlossen. Das Stadtteilgebiet hat keinen Anteil an einer Bundesautobahn oder Bundesstraße und ist lediglich über den Nachbarstadtteil Sürth an die Rheinuferbahn angeschlossen. Der seit dem Mittelalter z.T. bis in die 1950er Jahre bestehende Fährbetrieb von Sürth nach Langel und von Weiß nach Zündorf und Porz wurde im September 1987 in Form einer Fährverbindung von Weiß nach Zündorf wieder aufgenommen >>.

Auszüge aus : „ Köln : Dörfer im linksrheinischen Süden".
In : Stadtspuren. Denkmäler in Köln. Hrsg. Hiltrud Kier.
Bd. 12. S. 407 - 413 . Bachem-Verlag Köln.


Dr. Eva-Marie Fiedler
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