Weiß der Bert - Nepomuk, der Krimi in drei Teilen.

Teil 3 - Weisser Dorfecho Ausgabe 141

Hans B. schaltete als Erster:“ Ach du Scheiße, das ist ja der Mike!„  In der Tat. Noch als körperloser Kopf schien Mike Schiefer, nach Mallorca ausgewanderter ehemaliger Gastwirt aus dem Nachbarort Sürth mit einer Mischung aus Arroganz und Überheblichkeit in die Welt zu grüßen. Ausgerechnet in Weiß, wo ihn eigentlich niemand so richtig leiden konnte, denn sein größtes Hobby war zu Lebzeiten, sich über Weiß und seine Bewohner lustig zu machen und mit Spott zu übergießen. Zwar bemühten sich Weißer und Sürther schon seit vielen Jahrzenten diese Rivalität zu pflegen. Mike Schiefer jedoch war der ungekrönte Meister in dieser Disziplin und nicht jeder Weißer nahm das sportlich.


„Der Kölner Süden ist ein sympathisches Pflaster. Hier wird sauber gearbeitet!“ Ello Kowacz begegnete dem unappetitlichen Fund mit der ihm eigenen Ironie. Kollege Schneider, der in Sürth aufgewachsen war, jedoch schon seit über 20 Jahren in Nippes wohnte, ging diese Ironie ab. Er hatte Mitleid mit den Entdeckern des Kopfes. Einen, Hans B.,  kannte er noch  persönlich. „Ello, verschon uns jetzt bitte mit Deinen Kommentaren.“ „ Ist doch war! Vor drei Jahren hat hier im Nachbarort ein Wahnsinniger den Jungs die Eier abgeschnitten und jetzt rollen Köpfe. Das nenn ich  mal eine Entwicklung!“  Der Fall des Serientäters vor drei Jahren in Sürth hatte für mächtiges Aufsehen gesorgt und brachte dem kleinen Ort für eine kurze Zeit eine traurige Berühmtheit ein. Das nun offenbar wieder ein so schreckliches Verbrechen den Kölner Süden erschüttern sollte, ging Hauptkommissar Schneider doch sehr nahe. Er wandte sich an Marion Unger, die Rechtsmedizinerin, die den Fund und den Fundort mit ihren Kollegen untersuchte. Der Kopf war schon gesichert, zur Spurensuche alles abgesperrt. „Und, kannst Du etwas sagen?“


Marion Unger streifte sich die Gummihandschuhe ab, steckte sich ihr blondes Haar mit der rechten Hand links hinter das Ohr, eine Geste, die typisch war für sie:“ Nein, aber der Gerinnungsfaktor, soweit augenscheinlich zu beurteilen, deutet darauf hin, dass der Kopf, beziehungsweise der Mann, dem der Kopf gehörte, schon mindestens 48 Stunden tot ist. Da wir wenig Blut in der Mülltüte festgestellt haben, war der Kopf schon eine Weile abgetrennt, bevor man ihn dort hinein gesteckt hat. Wir haben sonst nichts in der Tüte entdeckt, für die Spuren um den Fundort bitte an die Kollegen. Und was den Kopf angeht, der kommt zu mir auf den Tisch, da kann ich euch vielleicht übermorgen mehr zu sagen.“


Kowacz und Schneider bestellten die geschockten Augenzeugen für den nächsten Tag zur Vernehmung in die Dienststelle. Jetzt blieb ihnen nichts anderes als die Ergebnisse der Spurensicherung abzuwarten. Nachdem alle Personalien festgestellt waren, blieb nur Hans B. bei den Beamten, denn eines war noch unklar. War der abgetrennte Kopf des Nepomuk mit dem Kopf des Sürther Ex-Wirtes in Verbindung zu bringen? Oder handelte es sich hier um einen unglaublichen Zufall? Eher nicht. Und dann natürlich: wo ist der Rest des Leichnams von Mike Schiefer? Wer hat Mike Schiefer zum letzten Mal gesehen? Aufgrund des vermutlichen Todeszeitpunkts von Schiefer kam er als Schänder des Nepomuk jedenfalls nicht in Frage. Das  Fragen über Fragen. Schneider verdrehte die Augen und dachte an das, was jetzt auf sie zukam. Polizeiarbeit der langweiligsten Sorte. Sie würden eine Sonderkommission einrichten müsse, dachte er, während Kowacz mit dem ihm eigenen Charme schon aussprach, was er noch dachte: “Gut. Dann heißt es wohl ab morgen – Soko „Rübe ab“!“ Hans B. schlug vor, bei Tino in der Eisdiele noch einen Kaffee zu trinken, um zu besprechen, was zu besprechen war. „Das ist eine gute Idee, sagte Schneider!“ „Finde ich auch“, ergänzte Kowacz: “der wird ja wohl auch einen vernünftigen Grappa haben!“ Schneider schluckte und beeilte sich in Richtung Hans B.  hinzu zu fügen: “Der Kollege hat einen eigenen Humor“ Polizisten trinken morgens um 9 Uhr 30 noch keinen Grappa!“ Sicher war er sich allerdings nicht. Kowacz bewies mit der nächsten Bemerkung, dass die Unsicherheit angebracht war: „Stimmt, Grappa trinken wir keinen um die Uhrzeit. Ich nehme einen Averna!“


Bis zwischen den Zeilen, ihr Bert Weiß


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